Freitag, 17. Februar 2017

Splitter

Letztens sprach eine offensichtlich aus dem Schwäbischen stammende Zeitgenossin zu mir folgendes:
"Bleiben Sie mal gschwind sitzen." 

Seid ihr Schwaben euch bewußt, dass das physikalisch unmöglich ist?

****

Diesen Jugend-Trend verstehe ich nicht: Junge Menschen schauen andern jungen Menschen, sogenannten "Youtubern" dabei zu, wie sie Dinge machen, meistens Dinge, die die zuschauenden jungen Menschen gern selbst machen würden: ein Spiel spielen, Kosmetikartikel einkaufen, ein Brot essen usw. An sich völlig unspektakulär, wenn die "Youtubern" sich nicht einer völlig überkandidelten Sprechweise bedienen würden, welche anschließend von ihren Zuschauern lustvoll nachgeahmt wird.
Normalos gucken Normalos beim Normalosein zu, und die angeschauten Normalos bekommen auch noch Geld dafür, dass man ihnen beim künstlich aufgeladenen Normalsein zuschaut.

Ich versteh das nicht. Hab ich mich gerade als Alt-Arsch geoutet?

****

"Lascana" hat mir geschrieben. Per Post. Angeblich vermissen sie mich, und zwar so sehr, dass sie mich mit einem Rabatt ködern.

He, Lascana: Wer mich als Kunden gleich auf mehreren Ebenen verarscht, hat mich auf Dauer als Kunden verloren. Solange ihr mir nicht wenigstens 90% Rabatt anbietet und die Ware von Selma Hayek an meine Haustür liefern lasst, müsst ihr leider weiter auf mich verzichten.
Ich hoffe, es schmerzt nicht zu sehr.

****

Fundstück (zu geil)



****

Frage: Kann der Michel eigentlich nur noch "Splitter"?

Antwort 1: Scheint so. Verklagt mich. Gruß, der Michel
Antwort 2: Russische Hacker haben diesen Blogger-Account gehackt, um auf subtile Weise Fake-News in Häppchen unters deutsche Volk zu streuen. Wobei sie leider übersehen haben, dass dieser Blog nur 5 11 728 Leser hat. Was den Erfolg der Fakes ein wenig zu subtil macht. Gruß, der Dimitri

Samstag, 11. Februar 2017

Splitter

Beim Spazierengehen ist mir heute aufgefallen, wie viele Gebetsketten, Christopherusse (Christopheri?) oder Nazar-Augen an deutschen  Autorückspiegeln herumbaumeln.
Haben die Fahrer tatsächlich so wenig Vertrauen in ihre Fahrkünste, dass sie sich zusätzlich mit Talismanen absichern müssen? Die Vorstellung, dass hier lauter Sonntagsfahrer herumgurken, die sich nur mit spiritueller Vollkasko hinters Steuer trauen, flößt mir eher Unbehagen ein.
Zumal zum Teil der Umfang der Rückspiegel-Deko, plus diverser Duftbäumchen und anderer Erwachsenen-Mobilès, den ungehinderten Blick durch die Frontscheibe stark einschränkt.

Es sei denn, man ist Fürstenfeld-Brucker. Dann benötigt man tatsächlich bei der Teilnahme am Straßenverkehr jede Hilfe, die man kriegen kann.

****

Habe gestern "ZDF History - Die großen Mauern der Geschichte" gesehen. Dabei ging es natürlich auch um die Berliner Mauer bzw. die innerdeutsche Grenze.

Ich hab lange in einem vermeintlich seriös-wissenschaftlichen Format soviel Geschichtsklitterung erlebt. Das hätte vermutlich sogar "Galileo" seriöser hinbekommen.
Vermutlich haben sich die Erben Gerhard Löwenthals ausgetobt, denn die Darstellung war komplett einseitig, frei nach westdeutscher Propaganda-Lesart: Die innerdeutsche Grenze war eine primitive, "architektonisch erbärmliche" Todesfalle, die die DDR-Bürger einsperren sollte. Was leider nur die halbe Wahrheit ist, aber weder die Vorgeschichte, noch die rechtliche Situation, noch weitere Gründe für den Mauerbau kamen zur Sprache.
Auch bei der Zahl der Opfer Ungenauigkeiten. "Zehntausende" sind geflohen, "Zehntausende" wurden verhaftet, "mindestens Tausend" Opfer fordert die Grenze.
Warum so schwammig? Tatsächlich gibt es um die Zahlen eine ewige Kontroverse. Die Stasi hat erst ab 1976 Statistiken geführt, danach waren es bis 1989 exakt 110.907 Personen. An anderer Stelle wird die Zahl von 176.000 genannt. Was vor 1976 war, darüber gibt es wohl nur Schätzungen.
Noch ungenauer ist es bei den Todesopfern. "Mindestens Tausend" scheinen da sehr aus der Luft gegriffen. Die letzte, umstrittene Nennung lautet 1303 Personen, wobei da sogar sowjetische Deserteure, erschossene DDR-Grenzer, Selbstmörder und Todesopfer an anderen Grenzen einberechnet sind. Wissenschaftler halten die Zahl für stark überhöht.

Kleines Detail am Rande: Das private "Mauer-Museum", das letztere Zahl veröffentlicht hat, wurde von einem der Gründer des schon erwähnten KgU ins Leben gerufen, was Zweifel an der Objektivität der Quelle aufkommen läßt. Weiteres Detail: Die Witwe des Gründers hat einen nach ihm benannten Menschenrechtspreis initiiert (wie macht man sowas?), der gewaltloses Engagement ehrt.
EinSchelm, der Böses dabei denkt. Als Initiator, Organisator und Finanzier von Sabotage-Anschlägen, bei denen Todesopfer in Kauf genommen oder sogar beabsichtig waren, würdet man den Mann aus heutiger, medialer Lesart vermutlich als "Terror-Fürst" bezeichnen.
Wirft man einen Blick auf die bisherigen Preisträger, kommen bei dem ein oder anderen auch Fragezeichen bzgl des "außerordentlichen, gewaltlosen, menschenrechtlichen Engagements" auf. Aber ich merk schon, ich komm wieder vom Hundertsten ins Tausendste.
Googelt doch selber...

****


Schonmal aufgefallen, dass für Amis immer alles nach Hühnchen zu schmecken scheint, egal, was für Fleisch man ihnen vorsetzt? Das Taste-Like-Chicken-Phänomen begegnet einem nicht nur als vermeintlicher Film-Gag, sondern auch im US-Reality-TV und im normalen Leben.
In "Idiot America - How Stupidity became a virtue in the land of the free" (Buchtipp!) wird u.a. erklärt, warum das so ist. Kleiner Spoiler: Es hat mit der Menge an Geflügel zu tun, die der Durchschnitts-Amerikaner zu sich nimmt. Nix mit T-Bone-Steak: Allein am Super Bowl verputzen Amis 1,3 Milliarden Chicken Wings. Das macht 650.000 Hühnchen an einem einzigen Wochenende.

Das Buch gibt es leider nicht auf Deutsch, lohnt sich aber auf jeden Fall, wenn man hinter das Geheimnis des Niedergangs wissenschaftlich belegter Tatsachen (real news vs fake news) kommen möchte. Es gibt da einige bedenkenswerte Parallelen zwischen den Entwicklungen in den USA und bei uns.

Was nebenbei bei der Lektüre des locker aufbereiteten Sachbuchs auffällt: Es werden Schlüssel-Sätze bzw. -Erkenntnisse stetig wiederholt. So, als wolle der Autor sicher gehen, dass diese tatsächlich beim Leser ankommen. Als wenn er für Menschen schreiben würde, deren Aufmerksamkeitsspanne knapp unter der einer Stubenfliege liegt.

****

Verfolgt man US-Reality-Fernsehen, fällt einem ebenfalls etwas auf: Die Protagonisten benutzen immer dieselben, simplen Phrasen und Begriffe. Egal, woher die Leute kommen, aus welcher Region oder sozialen Schicht - es fallen immer dieselben Sätze. Besonders nervig finde ich, dass der Amerikaner jegliches Fleisch als "protein" umschreibt. Egal, ob es sich um eine Koch-, Talk- oder Survival-Show handelt, es heißt jedes Mal "we need protein", bevor jemand ein Schnitzel brät oder einen Leguan killt. Dabei heißt "protein" auch im US-Englisch lediglich nichts anders als "Eiweiß".

Besonders, wenn es um die Beschreibung eigener Emotionen geht, scheint die Sprache sehr verarmt und stark ritualisiert, zumindest im TV. Situationen sind entweder "terrifying", "amazing" oder meist einfach "awesome", oft mit einem vorangestellten "pretty much" oder "kind of". Mehr ist da oft nicht.
Wird jemand gefragt, wie etwas schmeckt, heißt es in 99% aller Fälle: "Oh, this is so good!", mit besonderer Betonung auf dem "so".

Im deutschen Fernsehen begegnet einem das Phänomen dankenswerterweise nur selten, z.B. bei Germany's Next Top-Model - vermutlich kein Zufall, nachdem Heidi Klum stark vom US-Fernsehen geprägt ist, wo sie ja auch dauernd auftaucht.
Bei GNTM hat die ständige phrasenhafte Wiederholung scheinbar Methode, wenn Klum zum gefühlt 1000sten Mal sagt, "nur eine kann GNTM werden", oder "du bist ein wunderhübsches Mädchen, aber ich habe heute leider kein Foto für dich", bis hin zu den ritualisiert wirkenden Selbstreflexionen der "Mädchen", dass sie schon "ihren Weg machen" werden - was immer das bedeutet.



Freitag, 20. Januar 2017

Splitter

Supi. Trump ist Präsident.
Was soll man da sagen außer "je suis USA"?



***
Wer dieser Tage die jährliche Dokumentation über Schnabeltiere das RTL-Dschungelcamp schaut, wird feststellen, dass sich etliche der Teilnehmer schaufelähnliche Gebilde haben ins Gesicht operieren oder spritzen lassen. Normalerweise wäre mir das keine Erwähnung wert, aber ich hab gerade beim Einkaufen irgendeine Menopausierende gesehen, die sich ähnlich hat verunstalten lassen.
Was denken die sich dabei? Auf welchem Planeten gilt ein ständig einen Spalt offenstehendes Breitmaul als Schönheitsideal? Nur weil Modetante Donaldtella Versace, die mittlerweile aussieht, als hätte Daisy Duck mit einer Wurzelbürste ein Kind gezeugt, so rumläuft?
Oder ist das eine indirekte Bewerbung für den nächsten "Batman"-Film?


***
Medien:



Make Winter great again!

***

Fundstück (als Basteltipp für Eigenheimbesitzer)


Donnerstag, 19. Januar 2017

Zeitreise

Nee, keine Angst. Jetzt kommt kein Ausflug in die Zeit vor Trump, vor 1989 oder 1933.
Das überlass ich Herrn Höcke...

















Nö, ich habe gerade "Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt" von Sebastian Schnoy gelesen. Darin geht es, kurz gesagt, um einen heiteren Ritt durch die Geschichte der Zivilisation, unter der Prämisse, Kriege mal beiseite zu lassen, mit besonderem Blick auf die Geschichte der "Deutschen" bzw derer, die sich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands in den vergangenen Jahrtausenden so tummelten.

In dem Buch wird u.a. auch aufgezeigt, wie hoch entwickelt die Gesellschaft in der griechischen und römischen Antike bereits war.

Dabei kam mir folgendes Gedankenspiel: Zeitreisen sind ja ein beliebtes Feature im Science Fiction - Genre. Oft reist dabei jemand aus der Gegenwart zu irgendeinem Punkt in der Vergangenheit und ist dort mit seinem Zukunftswissen schnell der "Crack", der den Mittelalter-Homies erstmal zeigt, wo der Bosch-Hammer hängt.
Ich hab mir nun gedacht, was ich den Menschen im alten Rom so an überlegenem Wissen und Fähigkeiten anzubieten hätte, wenn es mich in die römische Antike katapultieren würde.

Ich kam leider auf erstaunlich wenig.
Sieht man mal über die offensichtliche Sprachbarriere hinweg (ich denke, mit meinem "quod erat demonstrandum", "quit pro quo" und "homo erectus" komme ich nicht sehr weit*), fällt mir relativ wenig ein, was ich den Römern konkret hätte anbieten können. Wir wissen zwar viel über alles mögliche (oder bilden es uns zumindest ein), aber was wissen wir denn wirklich über die Herstellung von Dingen (ich rede jetzt mal nicht von Leuten, die aufgrund ihres Berufes spezielles Sparten-Wissen haben)?

Könnte ich einem Römer erklären, wie man Stahl herstellt?  Nicht wirklich. Elektrizität? Auch nicht, und selbst wenn: Wohin damit?

So ziemlich alles, was wir heute benutzen, setzt aufwendige Verarbeitungsprozesse von Metallen oder Erdöl voraus. Wir wissen zwar "so ungefähr", wie Dinge produziert werden, aber eben nicht genau. Und selbst wenn wir es genau wissen, benötigt man in der Regel zur Herstellung wieder andere Dinge, über deren Herstellung wiederum wir nichts oder wenig wissen.

Auf anderen Gebieten könnte ich den antiken Römern wenig vormachen. Das Rad gab's schon seit einer Weile, in der Baukunst wurden überragende Bauten geschaffen, die z.T. noch heute stehen, und in Sachen Naturmedizin hat man heute evtl. sogar etliches wieder vergessen.

Das einzige, was mir als direkt umsetzbar eingefallen ist, ist der Buchdruck. Nur: Dafür braucht man Tinte und Papier, und es nützt nur was, wenn man Dokumente in großer Stückzahl herstellen möchte. Gab es soviel drucktaugliches Papier und vernünftige Tinte im alten Rom? Wenn nein: Wüßte ich, wie man beides herstellt? Wieder nicht so ganz 100%ig genau. Selbst wenn: Hätte der Buchdruck jemandem genutzt? Wir wissen ja nicht einmal genau, wieviele Menschen damals wirklich alphabetisiert waren.

Ich könnte den Römern noch sagen, dass Weintrinken aus Bleibechern keine so gut Idee ist, aber ob ich damit einen Blumentopf Amphore gewinnen würde, ist fraglich.

Bliebe nur der Eingriff in die Geschichte. Varus vorwarnen? Oder Cäsar? Den Römern sagen, dass sie 218 v. Chr. am Alpenrand nach Elefanten Ausschau halten sollen? Letzteres würde mir schon allein deswegen schwerfallen, weil die heutige Zeitrechnung noch gar nicht in Gebrauch war.

Wenn ich nicht in geschichtliche Abläufe eingreifen möchte (traditionell sowieso das große No-No bei Zeitreisen), bliebe mir, um in der Antike mein Glück zu machen, nur, in der Arena auf Spartakus zu setzen (vorausgesetzt, ich lande zum richtigen Zeitpunkt). Aber was setze ich, als mittelloser Neuankömmling aus der Zukunft? Den zerknitterten Euro-Schein, den ich zufällig noch in der Tasche habe?

Daher mein Aufruf an meine Leser: Was fällt euch ein, das ihr spontan einem Römer an Wissen und Fähigkeiten anbieten könntet?

*) Ich würde sogar vermuten, dass ich mit dem heutigen Schul-Latein nicht sehr weit gekommen wäre, wenn mich die Zeitmaschine beim "einfachen Volk" abgeladen hätte.